Was ist ein Herbarium?

Ein Herbarium (lat.: herba = Kraut) ist eine Sammlung getrockneter und gepresster Pflanzen bzw. Pflanzenteile. Diese sind auf einem Herbariumsbeleg als Einheit erkennbar zusammengefasst.

Aufgabe eines Herbariums

Ein Herbarium (oder auch kurz Herbar) erlaubt dem Botaniker, auf in verschiedenen Gebieten und zu verschiedenen Zeiten gesammelte Pflanzen zuzugreifen. Damit lassen sich Vorkommen und Verteilungen von Pflanzenarten erfassen und vergleichende morphologische Studien zwischen Pflanzen anstellen.

Werden neue bislang unbekannte Pflanzenarten beschrieben, geht die Beschreibung immer auf einen bestimmten Herbarbeleg, den Holotypus, dieser Art zurück. Die durch diesen Typus festgelegten Merkmale können als Grundlage für Vergleiche mit neuen Exemplaren oder zur Abgrenzung zu anderen Arten genutzt werden.

Voraussetzung eines wissenschaftlichen Herbarbelegs

Die auf einem Herbariumsbeleg gepresste Pflanze muss vollständig und von guter Qualität sein. Alle relevanten Pflanzenteile (Blüte, Blatt, Spross, Wurzel, Früchte) sollten, so weit möglich, vorhanden und sichtbar sein. Das Pflanzenmaterial sollte ohne Schäden (mechanisch, Pilzbefall, Vergilben) gepresst und getrocknet sein.
Wichtig für einen Herbariumsbeleg ist eine ordentliche und vollständige Beschriftung: Minimale Angaben sind der wissenschaftliche Name der Pflanze, Fundort, Funddatum und Sammler. Von Bedeutung für zukünftige Betrachter ist außerdem eine Angabe über die Häufigkeit der Pflanze am Fundort, über Begleitpflanzen und Standortsangaben.

Die Bereitstellung von Herbariumsmaterial für wissenschaftliche Untersuchungen ist auch heute noch von Bedeutung, entsprechend dem immer noch gültigen Satz von Carl von Linné (1751): "Herbarium praestat omni icone, necessarium omni Botanico" - "Ein Herbarium ist besser als jede Darstellung, notwendig für jeden Botaniker."

Erstellung eines Herbarbelegs

Damit die Pflanzen über sehr lange Zeiträume erhalten bleiben, wendet man das Verfahren der Trockenkonservierung an: Den Pflanzen wird der größte Teil des Wassers möglichst schnell entzogen. Dies erreicht man durch vorsichtiges Einlegen der Pflanzen in möglichst saugfähiges Papier, welches während des Trockenprozesses mehrfach gewechselt werden muss.

Zum Trocknen und Pressen der Pflanzen werden sie zusammen mit dem saugfähigen Papier in eine Pflanzenpresse gegeben. Für den Hobbygebrauch können schwere Bücher die Pflanzenpresse ersetzen.

Die getrockneten und gepressten Pflanzen werden auf Herbarbögen mit ca. 3 mm breiten selbstklebenden Streifen fixiert. Die einzelnen Herbariumsblätter werden liegend in flachen Fächern aufbewahrt. Dabei fasst man mehrere Herbarbögen der gleichen Pflanzenart zu Faszikeln zusammen.