V. Herbarium F. X. Heller zur Flora Wirceburgensis

Flora Wirceburgensis
Flora Wirceburgensis
Großherzogtum Würzburg
Großherzogtum Würzburg
Ungefähre Ausdehnung des Großherzogtums Würzburg (1806-1814) im Vergleich zum heutigen Unterfranken
Ungefähre Ausdehnung des Großherzogtums Würzburg (1806-1814) im Vergleich zum heutigen Unterfranken
Beleg
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Es war der botanische und juliusspitälische Gärtner Ignaz Heller, der in seinem Sohn Franz Xaver Heller (1775-1840) auf vielen gemeinsamen Wanderungen den Sinn für die Schönheit und den Reichtum der heimischen Pflanzenwelt weckte. F. X. Heller widmete sich zunächst dem Studium der Medizin, das er 1800 mit der Promotion zum Doktor der Medizin und Chirurgie abschloss. Wie sehr er sich in seinen Studienjahren in der Botanik fortgebildet hatte, zeigt seine Dissertation über die Fortpflanzungsorgane der Pflanzen.

Als durch den Reichsdeputationshauptschluss (1803) das Bistum Würzburg an Kurpfalzbayern überging, wurde die Universität von der kurfürstlichen bayerischen Regierung neu organisiert. Bei dieser Gelegenheit wurde Heller zunächst a. o. Professor, 1805 dann, kaum 30 Jahre alt, ordentlicher Professor für Botanik. Der rasche Aufstieg und die ermutigende Anerkennung seiner botanischen Studien spornte ihn zu gesteigerter Tätigkeit an, als deren Frucht u.a. sein bedeutendstes Werk, die "Flora Wirceburgensis" entstand, welche er in zwei Teilen 1810 und 1811 veröffentlichte und mit einem Supplementum im Jahre 1815 abschloss. Die darin aufgeführten Pflanzen sind im Herbarium Heller enthalten, das nach Hellers Tod an den Botanikprofessor Dr. August Schenk (1815-1891) überging, der selbst eigene Funde einverleibte und eine gründliche Revision vornahm. Von ihm gelangte es in den Besitz der Universität Würzburg.

Das Gebiet, welches Hellers Flora umfasst, wird begrenzt von den Landesgrenzen des von 1805 bis 1814 bestehenden Großherzogtums Würzburg. Es umfasst die ganze "Lange oder Hohe Rhön" mit den Ämtern Hilders und Fladungen und hat seine westliche Begrenzung östlich des Mainvierecks. Im Osten bildet der Westrand des Steigerwalds die Grenze zu Bayern, im Südwesten erstreckte es sich ein Stück weit in das heutige badische Taubergebiet hinein.

In der Fachwelt des In- und Auslandes fand Hellers Werk große Anerkennung und er wurde vielfach geehrt. Fürstprimas Karl von Dalberg z.B. übersandte ihm die Goldene Verdienstmedaille mit der Aufforderung "seine Untersuchung von vaterländischen Pflanzen fortzusetzen". 1817 erhielt er eine Berufung nach dem Königreich der Niederlande, wobei ihm zur Wahl gestellt war, an einer der Universitäten eine Professur der Medizin oder Botanik zu übernehmen. 1828 wurde er zum Rektor der Universität Würzburg gewählt und im gleichen Jahr wurde er Korrespondierendes Mitglied der Medizinisch-botanischen Gesellschaft in London.

In Würzburgs Gesellschaft aber, zu der er aufgrund seiner ausgedehnten ärztlichen Praxis bis zu den angesehensten Familien Zugang hatte, erntete er nur "Verdrieslichkeiten" und "übelwollende" Kritik (Zitat: A. Steier, 1915). Dies mag vor allem darin begründet sein, dass Heller im Vorwort zum ersten Band sich mit kräftigen Ausdrücken gegen die Liebhaber exotischer Pflanzen gewandt hatte. Es sei eine Schande, wenn jemand in Gewächshäusern vor fremdländischen Pflanze vor Bewunderung mit aufgesperrtem Munde (hianti ore) dastehe, von den gewöhnlichsten einheimischen Pflanzen aber nicht das geringste wisse. Mit ehrlicher Entrüstung hat er diese einseitigen Exotenliebhaber mit 'Turpe est in patria habitare et patriam ignorare' (Es ist eine Schande, in der Heimat zu leben und die Heimat nicht zu kennen!) bedacht. Auf die Kritik reagierte er weiter mit "wohlgebauten Perioden" (A. Steier), dass er die Vorwürfe dieser Leute verachte, die meinten, sie hätten die Botanik mit Löffeln gegessen, für die Wissenschaft aber nichts leisten, sondern bloß 'oculis semisomnolentis' (mit halb schlafenden Augen) vor ihren exotischen Pflanzenstehen und sie anschauen.

So bietet Hellers Werk nicht nur einen umfassenden Überblick über die Flora Würzburgs zu Beginn des 19. Jahrhunderts, sondern es ist auch ein Zeitzeugnis Würzburger Stadt- und Gesellschaftsgeschichte.

Die Proben befinden sich in Originalbögen (unaufgeklebt), nach Gattungen alphabetisch geordnet, unvollständig, mit zahlreichen zusätzlichen Proben anderer Sammler. Es fehlen die Gattungen: Alisma, Anemone, Brassica, Callitriche, Ceratophyllum, Inula, Lamium, Ophrys, Orchis. Als Gründungsjahr wird 1805 angenommen.

Schwerpunkte: taxonomisch: Pteridophytina, Spermatophytina