Geschichte des Botanischen Gartens in Würzburg

Handkolorierter Stich, nach S. KLEINER, um 1725 (Stadtarchiv Würzburg)
Handkolorierter Stich, nach S. KLEINER, um 1725 (Stadtarchiv Würzburg)

Seit 1696 steht der Universität Würzburg ein Botanischer Garten zur Verfügung. Er ging aus dem Arzneipflanzengarten (Hortus medicus) des Juliusspitals im heutigen Stadtzentrum hervor und befindet sich jetzt nach seiner dritten Verlegung am südlichen Stadtrand. 1960 wurde mit der Neuanlage am Mittleren Dallenbergweg begonnen.

Der Botanische Garten ist eine zentrale Einrichtung der Universität Würzburg. Er dient verschiedenen Teildisziplinen der Botanik und anderen Institutionen der Universität als wichtiges Hilfsmittel in Forschung und Lehre. Er ist der Öffentlichkeit zugänglich.

Die Entwicklung des Botanischen Gartens lässt sich entsprechend seiner flächenhaften und baulichen Veränderungen in 6 Perioden gliedern, die hier nur in einem kurzen Überblick vorgestellt werden sollen.

 

 

Einige wichtige Daten:

1587

Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn verspricht der medizinischen Fakultät bereits 5 Jahre nach der Gründung seiner Universität einen Platz zum Kultivieren von heimischen und fremdländischen Gewächsen.

1604

J. G. Stengel, der für die 'Praxis' der Medizin zuständige 'Professor practicus' und zugleich (Julius-) Spitalarzt wird vom Fürstbischof Julius beauftragt für die Anlage eines Arzneipflanzengartens zu sorgen.

1690

Eine bereits vorhandene "Wündtering" (= Überwinterungshaus) wird erweitert. Die "Neue Windterung" (ca. 200 m²) hat in der gleichen Größe bis mindestens 1715 bestanden. In diesem "Windterungsbau" wurden nicht nur die in Fürstengärten üblichen frostempfindlichen Kübelpflanzen (z.B. Orangen- und Zypressenbäumchen), sondern sicherlich auch Heilpflanzen für die Spitalsapotheke untergebracht.

1696

GRÜNDUNGSURKUNDE
des Fürstbischofs Johann Gottfried II. von Guttenberg (1684-1698):


Auf Jo(hann)is Bartholomaei Adami Beringers Medicinae doctoris
et Professoris bey Sr. Hochfürstl. Gnaden beschehenes unste (= untertänigstes)
ahnbringen, die in dero Julius Hospithal garten zu aufrichtung
eines Horti Botanici erforderente frembde gewächs, Kreutter
undt bäume aus Hollant abzuholen undt sowohl zu der
darinnen befindend(en) Kranckhen undt bedürf(t)ig(em) guthem, alß
auch der dahiesig(en) Medicinalischen facultet fernerem flor
undt aufnemmen in gdtem (= gemeldtem) hospithal garten zu replantiren,
betreffent sollen dessen so Geist= als weltliche Vorstehere dem-
selben zu solchem amdt drey hundert Thlr (= Thaler) aus dem daselbstig
vorräthligen paarschafte verabfolgen lassen, undt gegen
ahnnemmung eines scheines des empfangs wegen solche
gebührent verrechnen; urkundt des haben hochst-
besagt Sr. Hochfl Gd (Hochfürstlichen Gnaden) dero gste (= gnädigste)
verordnung eigenhändig
underschriben würtzburg d(en) 6 t(en) Augusti 1696
Johann Gottfrid Episcopus manu propria

Quelle: Juliusspital-Archiv Nr. 4523 Bl. 86
Ergänzungen in Klammern lt. Buschbom, U., 1982

Handkolorierter Stich, nach S. KLEINER, um 1725 (Stadtarchiv Würzburg)
Handkolorierter Stich, nach S. KLEINER, um 1725 (Stadtarchiv Würzburg)

"Prospect des schönen Julier Spithal in Würtzburg ..."

Blick über den Barockgarten auf die Fassade des Juliusspital-Nordflügels. Der Botanische Garten befand sich damals noch rechts (westlich) hinter den heckenumsäumten Gehölzen (Bosketten), die Obstbäume gewesen sein können.

Der alte Botanische Garten am Fürstenbau
Der alte Botanische Garten am Fürstenbau

Der Alte Botanische Garten befand sich von 1696 bis 1854 im heutigen Park des Juliusspitals (rechts).

Näheres siehe:
Buschbom, U.: Die Entwicklung des Würzburger Botanischen Gartens. In: Vierhundert Jahre Universität Würzburg - Eine Festschrift, S.567-600. Im Auftrag der Julius-Maximilians-Universität herausg. von P. Baumgart, Verlag Degener & Co., Neustadt a.d.Aisch, 1982.

oder:
Buschbom, U.: Der Botanische Garten. In: Gärten und Grünanlagen in Würzburg - Ihre Entwicklung und Bedeutung, Eine Ausstellung des Staatsarchivs Würzburg und des Stadtarchivs Würzburg, S. 77-168. In: Ausstellungskataloge der Staatl. Archive Bayerns, herausg. von Generaldirektion der Staatl. Archive Bayerns, Nr. 26, 1990