Der Tertiärwald

Die "Tertiärwald"-Abteilung stellt eine Gehölzsammlung (Arboretum) besonderer Art dar: Auf der dafür zur Verfügung stehenden Fläche von ca. 1,7 Hektar sind nur solche Bäume und Sträucher vorgesehen und z.T. bereits seit 1978 gepflanzt, die mit gleichen oder naheverwandten Arten schon vor 10-12 Millionen Jahren - also im Tertiär (Obermiozän/Unterpliozän) - in den Wäldern Mitteleuropas vertreten waren. Als Beweis dafür dienen Fossilien, wie z. B. vom Rotahorn (Acer rubrum).

Rezentes und fossilies Ahornblatt.
Rezentes und fossilies Ahornblatt.

Der Rotahorn wuchs bereits in der Braunkohlezeit des Tertiärs - also vor 10-12 Millionen Jahren - auch hier in Mitteleuropa, wie fossile Reste z.B. aus der Braunkohlengrube Frechen bei Köln belegen: In der Abbildung ist rechts ein fossiles Blatt ("versteinerter" Blattabdruck) zu sehen, links im Bild ein heutiges, rezentes Blatt.

Blätter und junge Fruchtstände verschiedener Hainbuchenarten.
Blätter und junge Fruchtstände verschiedener Hainbuchenarten.

Blätter (durchschnittlicher Größe) und junge Fruchtstände verschiedener Carpinus-Arten (von links):
- Carpinus betulus L.,
- Carpinus orientalis Mill.,
- Carpinus japonica Bl. und
- Carpinus caroliniana Walt.
An diesem Beispiel soll verdeutlicht werden, welche Formenvielfalt es während des Tertiärs auch in Mitteleuropa innerhalb einer Gattung gegeben hat, von der heutzutage nur noch eine Art, die Weiß- oder Hainbuche (Carpinus betulus L.), in unseren Wäldern vertreten ist.

Reliktgebiete (Rückzugsgebiete) der Tertiärflora.
Reliktgebiete (Rückzugsgebiete) der Tertiärflora.

Reliktgebiete (Rückzugsgebiete) der früher auf der ganzen Nordhalbkugel der Erde verbreiteten Tertiärflora.

Blick in den Tertiärwald.
Blick in den Tertiärwald.

Blick in die "Tertiärwald"-Abteilung des Botanischen Gartens:
Der Rotahorn (Acer rubrum L.) ist einer der ersten Bäume, die sich im Herbst verfärben.
Mit den epochalen Klimaänderungen ist der Rotahorn - wie viele andere Arten auch - in Mitteleuropa längst ausgestorben und kommt heutzutage von Natur aus nur noch im östlichen Nordamerika vor. Diese mittelgroße Baumart ist aber seit 1656 in Kultur genommen worden und wird in verschiedenen Kultursorten gern angepflanzt.

Herbstfärbung des Rotahorns.
Herbstfärbung des Rotahorns.

Die Herbstfärbung des Rotahorns macht dem Namen dieses Baumes alle Ehre, kann jedoch sortenabhängig und standortsbedingt unterschiedlich intensiv sein.

Männliche Blüten des Rotahorns.
Männliche Blüten des Rotahorns.

Schon im März-April, also lange vor dem Laubaustrieb, zeigt der Rotahorn seine dunkelroten, eingeschlechtigen (im Foto: männliche) Blüten.